Das Hühner- und Puten-Projekt

Namasté,

 

 

Dass es eine finanzielle und auch von der Tätigkeit her betrachtet Herausforderung werden wird, war mir klar. Dass es so ein Akt wird, das bedachte ich jedoch nicht.

 

Um den 19. Juni 2014 herum war es endlich so weit, dass wir umsetzten, wovon wir schon länger träumten. Geflügel kaufen, um die Tiere, deren Produkte und Fleisch wir essen möchten, selbst und möglichst artgerecht halten zu können.

 

Anfangs war es ein Paar Jersey Giant Hühner, denen innerhalb von ein paar Tagen 7 Puten folgten. Etwas später zogen noch einmal 10 Hühner ein. 7 Hennen und ein Hahn der selben Art, wie auch zwei Hühner der Gattung Türkischer Kämpfer, da wir nicht wussten ob unsere Hühner aus Naturbrut waren und somit gewährleistet ist, dass sie auch glucken (sich auf die Eier legen um sie auszubrüten.

 

Ein paar Tage später beantragte ich die Registrierung der Tiere, die jeder Geflügelhalter zu unternehmen hat, unabhängig davon, ob er die Tiere gewerblich oder privat hält. Lediglich von der  Impfpflicht  sind private Halter befreit. Und für mich war es interessant zu erfahren, dass auch die Tierärztin ihre Tiere nicht impft. Weisheit breitet sich eben doch aus.

 

Den Stall hatte ich, bis auf die Tür und einen Lampe, vor anderthalb Jahren schon fertig gestellt. Die Tür war schnell aus Altholz konstruiert, wird aber zum Winter hin noch modifiziert werden, damit sie Kälte abhält. Die Lampe fehlt noch immer, wird aber wohl in den nächsten Wochen folgen. Stromkabel legen mag ich nicht so gern. ;o)

Schnell wurde klar, dass wir die Tiere doch nicht ganz ohne Zaun lassen können, wenn wir die Früchte des Nutzgartens auch für uns genießen und nicht zur Gänze dem Geflügel überlassen wollten. Also kaufte ein gebrauchtes Stück Forstzaun, die ersten Pflöcke und Holz für den Bau einer Tür, wie auch die dafür gebrauchten Tür-Befestigungen.

 

Die erste Zeit danach lief dann auch alles super! Die Tiere wuchsen, unsere Frieda legte brav täglich ein Ei und ab und an auch ein Kampfhuhn.  Und mit Begeisterung registrierte ich, dass sowohl unsere Puten, welche übrigens Cröllwitzer Puten sind, die ebenso wie die Jerseys zu den vom Aussterben bedrohten Arten gehören, dass die Tiere die Nacktschnecken fraßen, mit denen wir zuvor so viel Ärger empfanden, weil wir sie nicht einfach töten wollten, aber mit dem bis zu zwei Mal täglichen Absammeln und wegbringen auf die andere Bachseite, trotzdem zu viel Frassschäden hatten.

 

Doch eines Tages fehlte ein Huhn. Alarmiert suchte ich die 5000m² Freilauf ab, die die Tiere bis zu dem Zeitpunkt als ihren Auslauf hatten. Und letztlich fand ich eine Stelle am Bachlauf, unter einem Baum, an dem das tote Tier lag. Es war das Streichelhuhn von Lutz und mir, was sofort, wenn es uns sah, auf uns zulief und sich auf den Arm nehmen ließ. Gott sei Dank, erfasste Lutz  nicht, was es bedeutet, dass das Huhn nun tot war und schaut sich völlig fasziniert das Bild an, was sich uns bot, als ich das Tier fand und er hinzu kam. Die Federn waren rund um das tote Tier verteilt und vom Tier selbst nur ein kleiner Teil gefressen.- Als ich das letzte Mal 30,00 € für ein Essen bezahlt habe, hab ich es wenigstens aufgefuttert. ;o) -  Nach Erkundigungen im Internet erfuhr ich, dass ein Greifvogel das Tier erlegt habe.

 

Am nächsten  Tag fehlten fünf weitere Hühner. Geschockt und beängstigt, schließlich tat es mir um die Tiere leid und auch, um das investierte Geld. Ich befürchtete schon, dass wir unser Projekt aufzugeben hätten.

 

Letztlich fand ich ein totes Tier. Diesmal ein anderes Bild der gerupften Federn. Und als ich weiter Ausschau hielt, fand ich eine Spur von gerupften Federn, die zu dem Ort führte, an dem das Tier getötet worden war. Scheinbar hatte diesmal ein Marder zugeschlagen. Obwohl im dialog mit anderen noch viele meinten, dass es derselbe Greif(vogel) gewesen sei. Doch denke ich, dass wenn es ein Greif gewesen ist, ob derselbe oder ein anderer sei dahingestellt, dann wäre da nicht die durchgängige Spur von gerupften Federn, oder?

 

Nach fast einer Stunde des Suchens, was bei mannshoch gewachsenen Brennnesseln auch mit einigen Hautirritationen bei mir zu tun hatte, hörte ich letztlich einen von mir bisher nicht gehörten Tierlaut und schlussfolgerte, dass es eines der Hühner sein müsste. Und so war es denn auch. Vier Tiere hatten sich nach dem Angriff wahrscheinlich versteckt. Doch, was nun?

 

Die Tiere wollte ich auf keinen Fall frei laufen lassen! Geld hatten wir keines mehr über, da ich in der Zwischenzeit auch drei Transportkäfige und Hühnerfutter gekauft hatte. Also überlegte, wie ich vorgehen könne. Schnell wurde mir klar, dass wir ein gesichertes Gehege brauchen. Doch allein die Materialkosten!!!

 

Nun, da gab es einen Händler, bei dem ich schon einmal auf Raten zahlen konnte. Zwar recht teuer, aber wie sonst konnte es gehen? Wir frugen fast alle unsere Freunde und solche, die es werden könnten. Und letztlich fanden wir tatsächlich zwei, die uns genug Geld liehen, damit wir das Gehege angehen konnten. DANKE, an euch beiden und an den Inhaber des Geschäftes in Bodenwerder!

 

So ein Hühnergehege zu bauen, damit Habicht, Fuchs und Marder das Geflügel, wie wir hoffen, in Ruhe lassen, ist eine Herausforderung für mich gewesen, da ich so etwas noch nicht gemacht habe und es einen aus meiner Sicht abartig hohen Finanzbedarf hat. - Klar, für "Normalverdiener" ist das Kleinkram, aber für uns sind ca. 1000,00 € eine Summe, die wir nicht einfach so zur Hand haben, war das eine Herausforderung die zu meistern war.

 

Noch immer haben wir nicht genug Geld, um ein Weidezaungerät zu kaufen. Und viele wichtige Anschaffungen, wie Winterreifen für zwei Fahrzeuge, Futter und Einstreu für die Tiere, wichtige Reparaturen ,  z.B. die Spülmaschine, als auch Investitionen, z.B. Saftproduktion, werden nun länger auf sich warten lassen, bzw. wohl ganz ausfallen. Doch immerhin, die Tiere sind nun geschützt und haben noch immer weitaus mehr an Fläche die sie nutzen können, als gesetzlich vorgegeben (10m² pro Huhn). Und noch immer gehe ich einmal am Tag mit den Tieren außerhalb des Geheges eine Stunde spazieren. ;o)

 

Die größte Herausforderung beim Gehegebau war nicht das abschüssige Gelände, dank dem das Stellen einer Leiter zum Einschlagen der Pfähle sich als Artistennummer entpuppte, sondern das aufspannen des Netzes.

Das Netz aufzuziehen ist übrigens eine echt heikle Sache für mich gewesen. Im Video schnitt ich es kurz an.

Detaillierter:

 

Klar, wenn du genug Geld hast, dann lass dir ein Netz anfertigen. Doch die 1.600,00 oder auch über 2.000,00 €, welche die diversen Anbieter dafür haben wollten, um ein 450m² großes Netz zu fertigen hatten wir nicht und wollten wir uns auch nicht leihen, da die Rückzahlung zu lange gedauert hätte.

 

 Also kauften wir ein Netz, das wir selbst auf Maß brachten. 8x100m sollten in 2 Netze von 8x30 m geteilt werden, um die beiden Netze dann miteinander zu vernähen. Bei letzterem kam ich mir vor wie ein Fischer. Hat sehr viel Freude bereitet, das Netz zu vernähen, obwohl es eine Herausforderung an Geduld und Augenmaß mit sich bringt.

Dann ist zu bedenken, dass das Netz wesentlich kürzer sein wird, als zu dem Zeitpunkt, wo du es anbringen willst. Zumindest, wenn es gerafft angeliefert wird! Das Sinnvollste ist, vor Abschneiden des Netzes es auf Breit zu ziehen, da sich die Längsnaht spannt, wenn die auf Länge aufgewickelten Maschen in die Breite gezogen werden. - Jau, ist logisch. Hab ich aber nicht dran gedacht. Was anderthalb Tage Mehr Zeit- und Energieaufwand mit sich brachte. ;o)

Wenn ein Netz auf Länge oder Breite gezogen werden soll und es keine Saumnaht gibt, die den Zug leicht aushält, bzw. der Zug auf einem Mal so stark ist, dass Maschen reißen, dann ist es hilfreich das Netz vorzubereiten und vorzuspannen.

 

Mit vorbereiten meine ich, dass die Seite, an der das Netz gespannt werden soll verstärkt wird. In unserem Fall nahm ich 6mm starke Bewährungseisen  - es kann auch eine stabile Schnur sein .- , die ich auf 270cm Länge kürzte. Beim nächsten Mal würd ich auf 300cm kürzen, damit sie an den Breitseiten auch einfacher durch das Netz gezogen und fester aneinander verschnürt werden, um alle 100-200cm ein Seil zu befestigen, mit denen das Netz dann gezogen wird.

 

Ich begann alle 200cm ein Seil so weit zu spannen, dass die Maschen hel blieben. Dann die Seile dazwischen. Diese konnten dann, logisch, stärker gespannt werden. Und so wechselte ich von diesen auf die ersten und zurück, bis ich die Spannung hatte, die das Netz aus meiner Sicht haben sollte.

 

So bekam ich das für 30m gedachte aber falsch bemessene Netz, auf immerhin 25m gezogen, obwohl es zwischenzeitlich so aussah, dass es doch nur für 15m reicht.

 

Dann also alles runter und noch mal...

Nun bin ich, sind wir, endlich fertig.

 

Mal sehen, wie lange wir hier alle Freude daran haben werden. Doch hoffen wir, dass wir eher früher als später auf einen anderen Hof ziehen können.

 

Irgendwo soll sich doch noch ein Landwirt finden, der seinen Hof nicht für teuer Geld abgibt, sondern weil er Menschen helfen will und dafür sein Lebenswerk zu einer fairen Pacht oder zu einem fairen Rentenkauf abgibt. Fair bedeutet für uns in so nah, dass wir es uns monatliche leisten können und den Hof trotzdem noch nebenbei sanieren, ausbauen oder sonst wie investieren können, obwohl wir, wie die meisten von uns, eher wenig Geld in die Hand nehmen können.

 

Herzliche Grüße

Axel

 

 

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Medica Mentem 

ist latainisch

und bedeutet so viel wie

Heile den Geist“.

Wir nutzen den Begriff im Sinne von:

„Wessen Geistes Kind bist du?“.

 

Wir haben uns der Herausforderung gestellt

immer öfter, umfassender und langanhaltender

den Geist des Natürlichen, das Miteinanders,

zum Ausdruck zu bringen.

 

Daher schaffen wir auch seit 2012 daran einen Abenteuerhof für Kinder auf Basis der Permakultur aufzubauen, der von unseren Mitmenschen auch angenommen wird.

 

Dafür sind wir seit Juli 2016 dabei wieder von vorne anzufangen. Den auf dem ersten Hof, war vieles anders als erhoffft. Vor allem wurde unser Tun nicht Wert geschätzt, sondern sabotiert und wir diskreditiert.

 

Vorzuleben, ob und wie wir es schaffen, öfter zufrieden, öfter im Sein zu sein, das ist das Ziel, also auch der Weg.  


 

 

 

 

 

 

Gästebuch:

Kommentare: 4
  • #4

    Heike Sprave (Mittwoch, 04 Januar 2017 22:58)

    Eine wunderbare Seite. Es lohnt, sich darin zu vertiefen - vor allem wenn einem bewusst ist, dass der Mensch nur wenig braucht um Mensch zu sein. Danke für die vielen Informationen

  • #3

    Biene (Donnerstag, 05 November 2015 13:45)

    Hallo, die Seite ist sehr schön gestaltet. Vielleicht wäre es aber doch gut, ein Rechtschreibprogramm zu finden ;o)

  • #2

    Gabi und Franz (Donnerstag, 27 August 2015 13:10)

    Hallo Axel, habe endlich Zeit und Ruhe gefunden durch eure Seiten zu klicken und habe viel von dem wiedergefunden was wir suchen. Arbeite immer noch deine Massage von Bückeburg auf. Hoffe wir sehen uns bald wieder. Unbekannterweise liebe Grüße an deine Familie von uns.

  • #1

    Ralf (Freitag, 24 Juli 2015 12:49)

    Tolle Seite,

    danke für deine Massage in Bückleburg und für die Übungsanleitungen. Die "ziehen" wirklich rein.

    Gruss
    Ralf