Meine erste selbst vollzogene Hausschlachtung

Hallo,

 

seit wir im Juno diesen Jahres Hühner und Puten gekauft haben, um die Eier der Hühner und das Fleisch von Hühnern und Puten zubereiten und essen zu können, war klar, dass dieser Tag früher oder später kommen würde.

 

Vom Prinzip her dachte ich daran im November evtl. eine Probetötung / Probeschlachtung zu machen. Gern auch mit jemandem an meiner Seite, der/die sich damit auskennt. Im Dezember wären dann weitere 5 Puten und ein Hahn getötet und geschlachtet worden.

 

Doch dann kam heute Morgen Sohnemann Lutz ins Büro und sagte: "Wir könnten mal wieder einen Hahn essen."

 

Ich frug nach, ob ich es passend erfasst habe, dass wir einen Hahn töten sollten, um ihn essen zu können. Und Lutz antwortete staubtrocken: "Ja." "Hm." sagte ich "wen wollen wir denn töten, rupfen, ausnehmen und also schlachten? Fritz oder Fridolin?"

 

"Fritz." bekam ich zur Antwort. Doch da ich nicht sicher bin, dass Fridolin ähnlich umfassend die Hühner deckt wie Fritz es tut und wir noch keinen schwarzen oder blaugesäumten Jersey Giant Hahn haben, der diese Herausforderung übernimmt, wollte ich noch keinen der beiden töten. Also frug ich:

 

"Was hältst du davon, wenn wir einen Puter töten?" "Ja." sagte Lutz "einen Puter, das ist toll."

 

"Na, sagte ich, ob das toll ist ein Tier zu töten, weiß ich nicht, aber wir haben es zu töten, wenn wir es essen wollen." Was Lutz mit einem "Genau." quittierte.

 

Also sagte ich:"Dann lass uns mal überlegen, wie wir das machen wollen." Und Lutz sagte sofort: "Ich lock sie in den Stall und die schnappst dir dann eine Pute."

 

"Ja," sagte ich, so ähnlich können wir das machen. "Ich hole etwas Futter, damit die Tiere in den Stall gehen. Du machst die Stalltür zu und ich nehm einen Puter auf den Arm, trag ihn raus und bring ihn zum Schlachtraum."

 

Geradezu begeistert lief Lutz zur Mama, um ihr das zu erzählen.

 

Nun ging es an die Vorbereitungen. Ablaufempfehlung zur Tötung und Schlachtung von Geflügel ausdrucken und in eine Klarsichthülle stecken, falls das Ausbluten weniger sauber ablaufen würde als geplant. Dann Messer schärfen, Eingangsbereich räumen, Stuhl hinstellen und daneben eine Wanne für die Federn.

Dann ein Schlaggerät auswählen und ein Beil aus der Werkstatt holen. Ort der Tötung / Schlachtung reinigen und...

 

...tja, soweit die Theorie.

Ein wenig merkwürdig war es schon.

 

Ich holte Futter und rief Lutz. "Hör mal, sagte ich "wir gehen jetzt ins Hühnergehege und du lockst di Tiere in den Stall, ja?" "Ja." "Dann werd ich eine Pute aussuchen und mit ihr hierher gehen, um ihr feste auf den Kopf zu hauen, damit sie keine Schmerzen hat, wenn ich sie töte. Dann möchte ich, dass du zur Mama gehst. In Ordnung?" Und schon flitze er los in Richtung Geflügelgehege.

 

Tja, und es lief auch ähnlich ab, wie geplant. Die Tiere fraßen, in Ruhe suchte ich mir eines der kleineren aus, nahm es auf den Arm, streichelte es und ging mit ihm raus aus dem Stall. Das Tier war völlig ruhig. Als ich aus dem Gehege ging, bat ich Lutz das Gehege wieder zu schließen, was er einwandfrei tat.

 

Dann gingen wir zum Schlachtraum und er schaute zu, wie ich das Tier sanft vor etwas Futter auf dem Schlachttisch absetzte. Ich griff ruhig nach dem Hammer, bedankte mich bei dem Tier dafür, dass ich es nun als Opfer nehmen könne, damit wir sein Fleisch essen können und schlug  dem Tier von schräg hinten her kräftig auf den Kopf. Dachte ich. Es torkelte. Sch... Nicht kräftig genug. Also schlug ich noch einmal zu. Blut tropfte aus dem Schnabel, das Tier hing schlaff in meinem Arm.

 

Dann nahm ich es und legte den Kopf auf das Schlachtbrett und schlug zu, um den Kopf abzuhacken.

 

Aber Holz hacken und einem Tier den Kopf abhacken ist zweierlei, wie ich sofort merkte, Die Axt war zu stumpf und ich schlug nicht den gesamten Hals durch. Angst durchzuckte mich. Trotzdem blieb ich äußerlich ruhig. Das Tier fing schon nach diesem Schlag wie wild an zu zucken. Ich schlug noch einmal zu. Es hatte geklappt.

 

Doch wegen meiner Unerfahrenheit hatte ich es nicht optimal im Griff und es wurde eine umfassende Herausforderung, das Tier so zu halten, dass das Blut in die vorgesehen Schale tropfte und das Tier sauber blieb.

 

Vielmehr schlug es mit einem Flügel der Art um sich, dass das Blut auf dem Flügel landete und der Flügel es im Raum und auf mir verteilte. Blut lief mir über das Gesicht. Doch hatte ich mehr damit zu tun, das Tier endlich so zu halten, dass ich es unter Kontrolle bekam und es nicht mehr durch die Gegend schlug. Und ich schaffte es denn auch.

 

Danach ging es ans Rupfen. Und während des Rupfens bat ich meine Frau meine Gedanken aufzunehmen. Dieses Video handelt davon.

 

Übrigens:

Soll dieser Eitnrag dazu dienen aus meinem Fehler zu lernen! Ich schäme mich, dass ich das Tier nicht achtsamer töten konnte und empfehle jedem, bei der ersten Tötung und Schlachtung erst einmal zuzusehen und dann unter Anleitung seine erste Tötung / Schlachtung vorzunehmen. Doch bin ich manns genug zu meinem Fehler zu stehen und mich der Kritik zu stellen. Vielleicht ist jemand anderes ob meines Berichtes achtsamer wenn er zum ersten Mal ein tier tötet.

 

Möglich, dass ich mich mit diesem Bericht unbeliebt mache. Doch bin ich der Meinung, dass jeder der Fleisch ist, mindestens einmal bei einer Schlachtung anwesend zu sein hat. Im Idealfall, je nach dem wo er das Fleisch kauft, auch bei mehreren (eine widerwärtige Massentierschlachtung a la „Tönies“ z.B. und eine Hausschlachtung, bzw. Eine Schlachtung in einer Warmblutmetzgerei.) um ein Bild zu bekommen, was abläuft, bevor er sein saftiges Stück Fleisch in die Pfanne hauen kann.

 

Das Tier und seine Artgenossen bringt es wenig bis gar keinen Stress, wenn es ordnungsgemäß achtsam dort getötet wird wo es aufwächst. Daher bin ich dafür, dass die Tiertransporte genau so verboten werden, wie Massentierhaltung und Massentierschlachtung.

 

Und ich denke auch, es wäre ein akzeptables Maß an Respekt der Kreatur gegenüber,  wenn jeder der Fleisch ist, seinen Arsch zusammenkneift und zumindest einmal im Leben selbst ein Tier tötet und schlachtet dessen Fleisch er so gern isst.

 

Jede Wette, dass der Fleischkonsum rapide abnähme und Massentierhaltung Ruck Zuck ein Ende hätte. Und wenn dann auch noch entsprechende Gerätschaften zur möglichst humanen Betäubung und Tötung zu geringen Kosten an jene ausgehändigt wird, die unter Anleitung eines erfahrenen Metzgers (Herrmannsdorfer Landwerkstätten!) gelernt haben, wie so etwas geht, freue ich mich sehr.

 

Denn eines ist mir bewusst:

Der Mensch kann nur leben, in dem er andere Lebewesen tötet. Und dass Pflanzen auch eine Art Bewusstsein haben, ist längst nachgewiesen (siehe „Abwehrverhalten der Tabakpflanze bei Raupenbefall“). Wir können uns also fragen, wie viel Lebewesen wir töten wollen und, ob es tatsächlich einen Unterscheid macht, ob wir ein „höheres“ oder „niederes“ Lebewesen töten. Töten müssen wir so oder so.

 

Und Noch etwas: Ich würde meine Tiere lieber mit einem Elektroschock beim Fressen töten, wie es in den Hermannsdorfer Landwerkstätten mit den Schweinen gemacht wird. - Ein aufklärendes Video zum Thema findest du auf youtube unter „Ehrfurcht vor dem Leben - Lasst uns vom töten reden„ – Doch kosten solche Geräte für Geflügel mehrere hundert Euro. Und da wir wenig Einkünfte aus eigener Kraft einnehmen und eben über das jobcenter aufstocken, wie auch selbiges sich seit drei Jahren weigert meine Selbständigkeit im Bereich Land- und Viehwirtschacht, oder auch die als freiberuflicher Masseur zu unterstützen, habe ich diese Möglichkeit noch nicht. Dabei wären die Mittel hierfür wirklich sinnvoll, wie ich meine.

 

 

Tja. Wie sich herausstellte, hatte Lutz dann doch alles mit angesehen. Nun, er ist 4 Jahre jung und hat noch keine Vorstellung vom Tod. Dementsprechend leicht nahm er alles auf und erzählte hinterher seiner Tante Sonja ganz genau, wie ich den Puter gefangen, getragen, auf den Kopf geschlagen und dann getötet, den Kopf abgehackt und die Federn gerupft habe.

 

Namasté

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Medica Mentem 

ist latainisch

und bedeutet so viel wie

Heile den Geist“.

Wir nutzen den Begriff im Sinne von:

„Wessen Geistes Kind bist du?“.

 

Wir haben uns der Herausforderung gestellt

immer öfter, umfassender und langanhaltender

den Geist des Natürlichen, das Miteinanders,

zum Ausdruck zu bringen.

 

Daher schaffen wir auch seit 2012 daran einen Abenteuerhof für Kinder auf Basis der Permakultur aufzubauen, der von unseren Mitmenschen auch angenommen wird.

 

Dafür sind wir seit Juli 2016 dabei wieder von vorne anzufangen. Den auf dem ersten Hof, war vieles anders als erhoffft. Vor allem wurde unser Tun nicht Wert geschätzt, sondern sabotiert und wir diskreditiert.

 

Vorzuleben, ob und wie wir es schaffen, öfter zufrieden, öfter im Sein zu sein, das ist das Ziel, also auch der Weg.  


 

 

 

 

 

 

Gästebuch:

Kommentare: 4
  • #4

    Heike Sprave (Mittwoch, 04 Januar 2017 22:58)

    Eine wunderbare Seite. Es lohnt, sich darin zu vertiefen - vor allem wenn einem bewusst ist, dass der Mensch nur wenig braucht um Mensch zu sein. Danke für die vielen Informationen

  • #3

    Biene (Donnerstag, 05 November 2015 13:45)

    Hallo, die Seite ist sehr schön gestaltet. Vielleicht wäre es aber doch gut, ein Rechtschreibprogramm zu finden ;o)

  • #2

    Gabi und Franz (Donnerstag, 27 August 2015 13:10)

    Hallo Axel, habe endlich Zeit und Ruhe gefunden durch eure Seiten zu klicken und habe viel von dem wiedergefunden was wir suchen. Arbeite immer noch deine Massage von Bückeburg auf. Hoffe wir sehen uns bald wieder. Unbekannterweise liebe Grüße an deine Familie von uns.

  • #1

    Ralf (Freitag, 24 Juli 2015 12:49)

    Tolle Seite,

    danke für deine Massage in Bückleburg und für die Übungsanleitungen. Die "ziehen" wirklich rein.

    Gruss
    Ralf